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feindliche Gestaltung mit freundlichem Gesicht

Auf dieser Seite findet ihr alles zum Thema hostile design! Neben dem Q&A auf der Startseite, findet ihr unter Beispiele einige genauer beschriebene Exempel aus der Stadt Wien, unter Theorie findet ihr eine genauere wissenschaftliche Abhandlung und unter Linksammlung findet ihr Links zu verschiedenen Zeitungsartikel und Beiträgen zum Thema.

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Hostile Design Vienna

Feindliche Gestaltung mit freundlichem Gesicht

Was ist Hostile Design?

Hostile design „ […] refers to objects within public spaces that have the effect of targeting vulnerable groups, and which have garnered criticism (or should be criticised) for this hospitality.” [1]

Hostile design bezeichnet die Gestaltung von Objekten in öffentlichen Räumen, die durch ihr Design, ihre Materialien, oder ihre Komposition bestimme Handlungen ermöglichen und andere verhindern. Die Objekte üben damit soziale Kontrolle aus. Das Besondere dabei ist, dass es nicht zu einer direkten Sanktion kommen muss, sondern allein die Beschaffenheit der Objekte oder des Raumes vorgibt, wie wir handeln können und wie nicht.

Wo begegnet uns Hostile Design?

Hostile Design begegnet uns vor allem im öffentlichen Raum. Dabei kann man grob 4 Arten unterscheiden [2]:

Modernisierung: neuen Objekte sind so designt, dass nur gewisse Handlungen möglich sind.
BSP: Sitzbänke mit kleinen, unterteilten oder abfallenden Sitzflächen und die Verwendung kalter, harter und rutschiger Materialien, damit Personen nicht zu lange auf der Bank verweilen.

Modifizierung: bestehende Objekte werden verändert, um Nutzungsweisen zu verhindern.
BSP: Metallknöpfe und -Stücke, an Stangen, Fensterbänken und Blumenbeeten, um zu verhindern, dass Personen darauf sitzen. Metall-Stachel in Häuserwinkel und auf Fensterbänken, um zu verhindern, dass dort gesessen/gelegen werden kann.

Entfernen: Objekte werden entfernt und nicht ersetzt oder in Konsumräume verlagert, um die Nutzung durch konsumschwache Personen zu verhindern

Nudging: das Verhalten von Menschen im öffentlichen Raum wird (durch technische Hilfsmittel) unauffällig gelenkt.
BSP: Hochfrequenztöne oder helles Licht, um Jugendliche zu vertreiben, aber auch Überwachungskameras, ultraviolettes Licht oder Sprinkleranlagen.

Wer ist betroffen von Hostile Design?

Die Auswirkungen von hostile design erleben vor allem Personen, die große Teile ihres Lebens in öffentlichen und konsumfreien Räumen verbringen. Marginalisierte Gruppen, die nicht ohne weiteres in Privat- oder Konsumräume ausweichen können wie z.B. wohnungs- oder obdachlose Menschen werden durch hostile design zunehmende aus dem öffentlichen Raum und damit aus der gesellschaftlichen Wahrnehmung verdrängt.

Was bewirkt Hostile Design?

Verfechter*innen von hostile, oder defensive design, argumentieren mit der Erzeugung von Sicherheit. Die Überlegung dabei ist, dass hostile design subtil das Verhalten lenkt, damit sanft und ohne aktive Sanktionierung soziale Kontrolle ausübt und damit kriminelle und unerwünschte Handlungen verhindert. Die Frage, die sich daraus ergibt: wieso wird als sicherheitsstiftend konzipierte Architektur und Design, gezielt eigensetzt, um Teile der Bevölkerung zu verdrängen und aus dem öffentlichen Leben auszuschließen?
Hostile design führt dazu, dass konsumschwache und marginalisierte Personen aus öffentlichen innerstädtischen Räumen verschwinden:

„Sofern die Innenstädte vor allem als relativ homogene Konsumräume gestaltet und verstanden werden, werden diejenigen ausgegrenzt, die nicht in die Marketingkonzepte der Städte und damit in das inszenierte „Broschürenbild des Unternehmens Stadt“ passen.“ [3]

Was können Wir machen?

Hostile design funktioniert am besten unbemerkt, wenn es subtil Handlungsräume öffnen und schließen kann, wenn dadurch unbemerkt marginalisierte Personen aus der Öffentlichkeit verdrängt werden. Ein offener Diskurs und eine kritische Reflexion von hostile design kann nur gelingen, wenn die Allgegenwärtigkeit von hostile design bewusst gemacht wird!

Mehr Informationen über die Hintergründe und Mechanismen von hostile design findest du auf der Seite Theorie, Beispiele für hostile design in Wien findest du auf der Seite Beispiele. Solltest du selbst Beispiele für hostile design in Wien kennen, mach ein Foto und schick uns eine E-Mail!


[1] Rosenberger, Robert (2020): On hostile design: Theoretical and empirical prospects. In: Urban Studies 57 (4), S. 883–893.
[2] Fine Licht, Karl Persson de (2017): Hostile urban architecture: A critical discussion of the seemingly offensive art of keeping people away. In: Etikk Praksis – Nord J Appl Ethics 11 (2), S. 27.
[3] Lauen, Guido (2014): Stadt und Kontrolle. Der Diskurs um Sicherheit und Sauberkeit in den Innenstädten. s.l.: transcript Verlag (Urban Studies).

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