Hostile Design: der feindliche öffentliche Raum

Wissenschaftliche Abhandlung zum Thema hostile design:

Der öffentliche urbane Raum ist Begegnungsort diverser Menschen und Gruppen, die diesen in einem permanenten Aushandlungsprozess erzeugen, gestalten und reproduzieren. Dabei spielen sowohl die gelebten als auch gebauten Strukturen eine entscheidende Rolle dafür, wer und wofür der Raum genützt werden kann (Klamt 2012, S.785ff.). Der öffentliche Raum ist kein Machtvakuum, sondern ein „Spiegel der Gesellschaft“ (Klamt 2012, S. 775), in dem die Definitionsgewalt umkämpft ist, und die Interessen verschiedener Gruppen aufeinandertreffen. Dabei werden stehts Handlungsräume geschaffen und genommen, sowohl durch juristische und soziale Instrumente als auch durch die Gestaltung der baulichen Gegebenheiten (Klamt 2012, S. 779). Eben diese bauliche Gestaltung rückt widerholt ins Zentrum des medialen Diskurses, wenn beispielsweise in windgeschützten Hauswinkeln metallene Stangen oder Stachel angebracht werden, um obdachlose Menschen davon abzuhalten dort zu nächtigen (Petty 2016, S. 68). Dabei sind metallene Stacheln gegen obdachlose Menschen eine auffällige und äußerst aggressive Variante einer gezielten Manipulation des Raumes, die Versucht durch Objekte des öffentlichen Raums das Verhalten gewisser Raumnutzer*innen zu steuern (Rosenberger 2020a, S. 884). In der Regel erfolgt die Manipulation subtiler. So sind beispielsweise Parkbänke kürzer, oder mit extra Armlehnen versehen, um zu verhindern, dass darauf geschlafen werden kann (Fine Licht 2017, S. 29). Noch subtiler ist die Auswahl gewisser Materialien, wie Stein oder Metall, beides Stoffe, die kalt und glatt sind, oder die Auswahl gewisser Formen, wie ovale, abfallende Sitzflächen. Sowohl die Materialien als auch die ergonomische Gestaltung lädt somit nicht zum längeren Verweilen ein (Savić und Savičić 2014, S.3).

Definition von Hostile Design

Die Methoden, der gestalterischen Raummanipulation sind vielfältig, verfolgen aber ein gemeinsames Ziel, Objekte des öffentlichen Raums sollen so gestaltet werden, dass gewisse (unerwünschte) Handlungen und Nutzungsformen unterbunden werden, ohne dabei direkt sanktioniert werden zu müssen (Petty 2016, S. 69). Die Objekte selbst dienen dabei als silent agents (Savić und Savičić 2014, S. 3) „[…] that manage behaviour in public space, without the explicit presence of authorities.“ (Savić und Savičić 2014, S. 3). Diese räumliche Manipulationen sind dabei kein neues Phänomen, haben aber vor allem im öffentlichen urbanen Raum in den letzten Jahren deutlich zugenommen und sind somit ins Zentrum des öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses gerückt (Fine Licht 2017, S. 27).

Die mannigfachen Benennungen des Phänomens verdeutlicht dabei die unterschiedliche Interpretation. So ist die rede von: „[…]„defensive planning“, „defensive urban architecture“, „excluding architecture“, „disciplinary architecture“, „hostile architecture“ and even “evil architecture””. (Fine Licht 2017, S. 27). Dabei spiegelt die Bezeichnung als defensiv den Ursprung des Konzepts im Sicherheitsdiskurs wieder (Petty 2016, S. 70), wohingegen die Zuschreibung hostile, also feindlich, eine kritische Auseinandersetzung und Ablehnung des Vorgehens impliziert (Fine Licht 2017, S. 31). Da sich dieses Projekt kritisch dem Phänomen nähert, werden im Weiteren die Bezeichnungen hostile design und hostile architecture verwendet. Hostile design „[…] refers to objects within public spaces that have the effect of targeting vulnerable groups, and which have garnered criticism (or should be criticised) for this hospitality.” (Rosenberger 2020a, S. 884). Ergänzend zu dieser Definition ist zu erwähnen, dass die Festlegung was ein öffentlicher Raum ist, beziehungsweise, was als öffentlicher Raum wahrgenommen wird, nicht immer eindeutig ist (Petty 2016, S. 73). Öffentlich zugängliche Orte, wie U-Bahnstationen, Bahnhöfe oder Einkaufszentren, gelten beispielsweise als halböffentliche Räume und sind somit juristisch gesehen private Räume, die der Öffentlichkeit, unter Einhaltung der Hausordnung, zur Verfügung gestellte werden. Diese Hausordnung an sich ist wiederum ein verhaltensregulierendes Instrument (Termeer 2010, S. 298). Da diese Räume der Öffentlichkeit zugänglich sind, werden sie in der Definition öffentlicher Raum mitberücksichtigt. 

Formen von Hostile Design  

Wie bereits angedeutet können verschiedenen Manipulationen des öffentlichen Raums, sowie der Objekte in eben diesem öffentlichen Raum, als hostile design bzw. hostile architecture gesehen werden. Karl de Fine Licht (2017) unterscheidet dabei vier Varianten wie Handeln und Verhalten im öffentlichen Raum manipuliert und gesteuert werden kann:

Erstens, durch Modernisierung/Ersetzen bestehender Objekte (Fine Licht 2017, S. 29). So werden beispielsweise neue Bänke mit kleinen, unterteilten oder abfallenden Sitzflächen versehen, ebenso werden kalte, harte und rutschige Materialien verwendet um zu verhindern, dass darauf geschlafen werden kann, sowie um zu verhindern, dass Personen lange Zeit darauf sitzen wollen (ebd.). Neuere öffentliche Mistkübel sind oft bis auf eine kleine, leicht verwinkelte Öffnung, um Müll einwerfen zu können, vollkommen geschlossen. Dieses Design hat zwei Funktionen, zum einen soll es das Anbringen von Bomben verhindern (Lulham et al. 2012, S. 137), zum anderen soll dadurch verhindert werden, dass vulnerable Personen Essen oder Recyclingflaschen aus den Mistkübeln entnehmen (Rosenberger 2020b, S. 5) . 

Zweitens, durch Modifizierung bestehender Objekte, sowie das Anbringen von Elementen, die die Nutzungsmöglichkeiten einschränken (Fine Licht 2017, S. 29). Beispiele dafür sind Metallknöpfe und -Stücke, die pig-ears (Petty 2016, S. 68) genannt werden. Diese werden an Stangen, Fensterbänken und (erhöhten) Blumenbeeten angebracht, um zu verhindern, dass diese für Skateboardtricks verwendet werden können (ebd.). Ebenso werden Metall-Stachel in Häuserwinkel und auf Fensterbänken angebracht, um zu verhindern, dass dort gesessen und gelegen werden kann. Auch diese Maßnahme, bekannt als anti-homeless spikes (Fine Licht 2017, S. 29) richtet sich direkt gegen obdach- und wohnungslose Menschen. Blumentöpfe und Pflanzen werden ebenfalls im öffentlichen Raum ergänzend eingesetzt, beispielsweise am Ende von Stangen, um Skateboarden zu unterbinden (ebd.), vor Restaurants und Schaufenster, um den Aufenthalt von Jugendlichen und obdachlose Menschen, sowie inoffiziellen Handel zu unterbinden (Rosenberger 2020a, S. 886), aber auch als Barriere Richtung Straße um die Fußgänger*innen vor Autos (und potentiellen Terroranschlägen mit Autos) zu schützen (Hinman 2016, S. 366).

Drittens, durch das Entfernen von Objekten (Fine Licht 2017, S. 29). Sitzgelegenheiten werden schlichtweg aus öffentlichen, konsumfreien Räumen entfernt, wodurch jene Personen vertrieben werden, die nicht konsumieren können, oder wollen (ebd.).

Die vierte Variante ist das sogenannte nudging, also das (mehr oder weniger) unauffällige Lenken von Verhalten meist durch technische Hilfsmittel (Fine Licht 2017, S. 30). So werden zum Beispiel Hochfrequenztöne oder helles Licht verwendet, um Jugendliche zu vertreiben (ebd.), öffentliche Toiletten mit ultraviolettem Licht ausgestattet um die Anwendung intravenöser Drogen zu erschweren (Petty 2016, S. 69), oder die Sprinkleranlagen in öffentlichen Grünflächen so eingestellt, dass sie verhindern, dass Personen auf ihnen nächtigen (Rosenberger 2020a, S. 886). Eine besondere Rolle spielen hierbei Überwachungskameras, die weniger zu Dokumentation von unerwünschten Verhalten dienen, sondern mehr als Prävention (Rosenberger 2020a S. 886; Petty 2016, S. 69). Es spielt dabei weder eine Rolle, ob die Kameras eingeschalten sind, noch ob jemand aktiv zusieht, vielmehr funktionieren sie analog zum von Foucault beschriebenen Prinzip der Sozialen Kontrolle im Panopticon von Bentham (Foucault 1981, S. 256) und erzeugen das Gefühl von Überwachung, wodurch die Handlungen der überwachten manipuliert wird (Foucault 1981, S. 256f). 

Die Vier genannten Arten sind eine grobe Gruppierung und stellen nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, decken aber einen großen Teil der Manipulationsmechanismen ab und verdeutlichen sowohl, welche Gruppen von hostile design und hostile architecture betroffen sind, als auch welcher grundsätzlicher Diskurs, zumindest vorwandhaft, hinter der Etablierung der Maßnahmen steht. Sowohl die grundsätzliche Notwendigkeit als auch die Art der Maßnahmen und die Zielgruppen, gegen die sie gerichtet sind, entstammt dem Sicherheitsdiskurs (Lockton 2011, S. 15) und dem punitive turn (Petty 2016, S. 70), der diesen Diskurs seit Jahrzehnten prägt.

Theoretische Einordnung

Hostile design und hostile architecture kann als Form der Präventionsarchitektur verstanden werden (Tessin 2011, S. 57). Sprich als Architektur, beziehungsweise Raumgestaltung, die präventiv bei der „[…] Vermeidung von Unfällen, Kriminalität, Vandalismus, Nutzungsschäden, störendem Verhalten etc.“ (Tessin 2011, S. 57), hilft und somit das Sicherheitsgefühl stärkt (ebd.). Somit ist die ursprüngliche Funktion jene einer defensiven, disziplinierenden Architektur (Lockton 2011, S. 15) und stützt sich als solche auf die Konzepte des kriminalpräventiven Ansatzes, den C. Ray Jeffrey (1972) als Crime Prevention Through Environmental Design, kurzCPTED, bezeichnet hat, sowie auf dessen Weiterentwicklung Design Against Crime (DAC) (Ekblom 2012, S. 4).

„The conceptual thrust of the CPTED programs that the physical environment can be manipulated to produce behavioral effects that will reduce the incidence and fear of crime, thereby improving the quality of life.” (Fennelly & Crowe 2013, S. 25). Die Gestaltung des öffentlichen Raums soll somit so geschehen, dass tatsächliche kriminelle Handlungen unterbunden werden, und die Angst vor eben diesen Handlungen genommen wird. (Fennelly & Crowe 2013, S. 25f). Dabei baut das CPTED-Prinzip auf eine subtile Umsetzung der Gestaltung. Anstelle von Zäunen, klaren Barrieren und Vorschriften sollen unauffällige Elemente dienen um das Verhalten der Nutzer*innen zu steuern (Fennelly und Crowe 2013, S. 26). Das Konzept wird am besten durch den von Clifford D. Shearing und Phillip C. Stenning in ihrem Text From the Panopticon to Disney World: The Development of Discipline (1984) beschriebenen Besuch in Disney World beschrieben:

„Control strategies are embedded in both environmental features and structural relations. In both cases control structures and activities have other functions which are highlighted so that the control function is overshadowed. Nonetheless, control is pervasive. For example, virtually every pool, fountain, and flower garden serves both as an aesthetic abject and to direct visitors away from, or towards, particular locations. […] This integration of functions is real and not imply an appearance: beauty is created, safety is protected […]. The effect is, however, to embed the control function into the “woodwork” where its presence is unnoticed but its effects are ever present.”
(Shering & Stenning 1985, S. 302, Hervorhebung.i.O.)

CPTED ist dabei nicht nur eine theoretische Grundannahme, sondern ein stadtplanerisches Konzept, dass eine Leitlinie für die Gestaltung des gesamten öffentlichen Raums bietet, die sich auf die Kontrolle des Zugangs, Überwachung und den Erhalt und Schutz der Elemente und Individuen im Raum konzentriert, (Fennelly und Crowe 2013, S. 27ff). Als solches, ist es der Rahmen, in dem verschiedene Objekte, die als hostile design oder hostile architecture bezeichnet werden können im Raum eingesetzt werden (Fennelly und Crowe 2013, S. 31).

Das Design der individuellen Elemente bezieht sich auf den Ansatz des Design Against Crime (DAC), der davon ausgeht, dass nicht nur der Raum als gesamtes manipuliert werden kann, sondern jedes einzelne Element im Raum das Verhalten der Benutzer*innen beeinflusst und Handlungsspielräume öffnet und schließt. Somit können Objekte so gestaltet werden, dass sie kriminelle und unerwünschte Handlung nicht ermöglichen (Lockton 2011, S. 15).

Die präventive Funktion des Objekts wird dadurch erreicht, dass im Produktionsprozess vier Überlegungen berücksichtigt werden (Ekblom 2012, S. 21). Ersten der Zweck des Produkts: was soll das Objekt können, beziehungsweise welche Handlungen soll es ermöglichen und welche unterbinden? Zweitens das Zusammenspiel des Objekts mit dem Raum: erzeugt das Objekt Sicherheit, hilft es bei der Erzeugung von Sicherheit oder ist es ein Objekt, dass geschützt werden muss? Drittens der präventive Mechanismus des Objekts: wenn es bei der Erzeugung von Sicherheit hilft, wie? Welche explizite präventive Funktion hat es? Viertens die technische Umsetzung des Objekts: aus welchem Material muss das Objekt sein, um gewisse Handlungen zu ermöglichen und andere zu unterbinden? (Ekblom 2012, S. 22-26).

Die Konzepte der Präventionsarchitektur basierend auf DAC und CPTED und erklären somit die Überlegung mittels Objekten Sicherheit zu erzeugen und Personen von kriminellen Übergriffen, dem Verkehr (Tessin 2011, S. 57) und Terrorismus (Hinman und Eve 2016, S. 368f) zu schützen. Ebenso lassen sich bei der Betrachtung einzelner hostile design-Objekte die verschiedenen Aspekte des DAC-Ansatzes wiedererkennen. So sind Parkbänke designt, um Sitzen zu ermöglichen und liegen zu verhindern. Diese Funktion spiegelt sich in der generellen Gestaltung, sowie in den verwendeten Materialien wider. Auf einer Parkbank liegen, ist allerdings keine kriminelle Handlung, daher muss sich eine kritische Auseinandersetzung mit hostile design und hostile architecture die Frage stellen, wieso Architektur und Design, die als sicherheitsstiftend konzipiert sind, kategorisch Teile der Bevölkerung verdrängt und aus dem öffentlichen Leben ausschließt?

Hostile Design kritisieren!

Die Frage lässt sich auf zwei Arten beantworten. Zum einen basieren viele kriminalpräventiven Ansätze auf der mehrfach falsifizierten Broken Windows-Theorie (Wilson & Kelling 1982), die davon ausgeht, dass obdachlose Menschen, Jugendliche und andere Gruppen, die sich viel im öffentlichen Raum aufhalten als Sicherheitsrisiko zu sehen sind (Wilson & Kelling 1982, S.2f). Zum anderen verfolgen Städte unternehmerischen Ambitionen (Thörn 2011, S. 994). Aufgrund der Stigmatisierung von obdachlosen Menschen und Jugendliche, aber auch die Stigmatisierung von Drogen oder Alkohol konsumierenden Menschen als Sicherheitsrisiko schadet die Anwesenheit eben dieser Gruppen im öffentlichen Raum den unternehmerischen Ambitionen der Stadt. 

1. Stigmatisierung und Broken-Windows-Theorie 

Wilson und Kelling gehen (ohne dafür empirische Beweise zu liefern ((Belina 2017) davon aus, dass bereits der erste Anschein von Verfall oder Unordnung zu Kriminalität führt (Wilson & Kelling 1982, S. 2f). Laut Wilson und Kelling, sind Spuren von Vandalismus, sowie die Anwesenheit von „rowdy teenagers“ (Wilson & Kelling 1982, S.2f), von alkoholisierten Personen, aber auch von wohnungs- und obdachlosen Menschen, erste Anzeichen dafür, dass die soziale Kontrolle einem Viertel nicht mehr gegeben ist, wodurch Kriminalität angezogen wird (ebd.). Durch die Anwesenheit dieser Personen steigt laut der Theorie nicht nur die Wahrscheinlichkeit von Kriminalität, sondern ebenso sinkt das subjektive Sicherheitsgefühl der Bewohner*innen. Um für Sicherheit zu sorgen, müssen alle Anzeichen, die auf einen Verlust sozialer Kontrolle hinweisen präventiv unterbunden werden, und somit auch die Anwesenheit von Obdachlosen oder rowdy teenagers (Wilson und Kelling 1982, S. 7). Obwohl die Theorie empirisch nicht bewiesen werden konnte war sie sowohl Grundlage der Zero-Toleranz-Politik im New York der späten 1990er Jahre (Belina 2017, S. 36f), als auch verschiedener raumbezogener Sicherheitstheorien. Somit richtet sich die kriminalpräventive Gestaltung des öffentlichen Raums, wie hostile design, explizit auch gegen Obdachlose, Jugendliche und andere marginalisierte Gruppen, da sie als Sicherheitsrisiko gesehen werden (Belina 2017, 41f).  

Anstatt gezielt gegen die Stigmatisierung marginalisierter Gruppen vorzugehen, wird die Zuschreibung als Sicherheitsrisiko durch den Einsatz von hostile design legitimiert und institutionalisiert. Die Aufgabe von Stadtplanung ist es Sicherheit zu erzeugen (Tessin 2011, S. 57) und somit auch, marginalisierte Gruppen aus dem öffentlichen Raum zu vertreiben. Dieser Irrschluss und seine verherenden Auswirkungen, die sich in hostile design materialisiren, müssen kritisch reflektiert werden. Marginalisierte Gruppen müssen aus dem Sicherheitsdiskurs herausgelöst werden.  

2. Die unternehmerischen Ambitionen der Stadt  

Ein zweiter Grund dafür, dass hostile design gezielt eigesetzt wird, um marginalisierte Gruppen aus den innerstädtischen öffentlichen Räumen zu verdrängt, lässt sich auf die unternehmerischen Ambitionen der Stadt zurückführen (Thörn 2011, S. 994). Um vermarktbar zu sein und kaufstarke Personen (vor allem auch kaufstarke Tourist*innen) anzuziehen, müssen öffentliche Plätze möglichst einladend und konsumfreundlich gestaltet sein (Thörn 2011, S. 995). Aufgrund der Wahrnahme als Sicherheitsrisiko, schaden obdachlose Menschen aber auch Jugendliche, eben diesen marktwirtschaftlichen Ambitionen und schaden damit kauffreundlichen Atmosphäre (ebd.), worunter das Image der Stadt als sauber und luxuriös leidet (Petty 2016, S. 71). So zumindest die Vermutung:  

„Sofern die Innenstädte vor allem als relativ homogene Konsumräume gestaltet und verstanden werden, werden diejenigen ausgegrenzt, die nicht in die Marketingkonzepte der Städte und damit in das inszenierte „Broschürenbild des Unternehmens Stadt“ passen.“
(Lauen 2014, S. 49, Hervorhebung.i.O.)  

Hostile design wird somit eingesetzt um konsumschwache Personen, die keine Lobby hinter sich haben, aus öffentlichen und somit konsumfreien Räumen zu vertreiben. Da öffentliche Räume grundsätzlich konsumfrei sind, leiden marginalisierte und konsumschwache Personen besonders darunter diesen Raum zu verlieren. Anders als wohlhabendere Menschen ergibt sich ihnen nicht, oder nur bedingt, die Möglichkeit anstelle des öffentlichen Raums einen halb-öffentlichen und nicht-konsumfreien Ort, wie ein Café oder ähnliches aufzusuchen. Da hostile design vor allem in zentralen öffentlichen Räumen der Stadt zu finden ist, werden Obdachlose und andere marginalisierte Gruppen zunehmen in die Peripherie und damit in die Unsichtbarkeit vertrieben (Lauen 2014, S. 22 & 47). Urbane Probleme werden damit nicht gelöst, sondern verschwinden aus dem Blickfeld, diese Verdrängung in die Unsichtbarkeit stellt ein Sicherheitsrisiko für Obdachlose und andere marginalisierte Gruppen (beispielsweise Personen die Drogen konsumieren) da, da die sicherheitsstiftende natürliche soziale Überwachung des Sehen-und-Gesehen-Werdens wegfällt (Newman 1972, 78 & Miko 2012, 36).    

Hostile design eignet sich für die Verdrängung von marginalisierten insofern, als die Verdrängung unbemerkt geschieht, wodurch nicht nur das optische, konsumfreundliche Image der Stadt gepflegt wird, sondern auch das soziale, da präventiv die Anwesenheit unterbunden wird und die Personen nicht medienwirksam aus dem öffentlichen Raum entfernt werden. Eben dieses subtile, unbemerkte Vorgehen ist die große Stärke von hostile design. Was geschieht, wenn die subtile Funktion von hostile design nicht gegeben ist, zeigt die Kontroverse rund um anti-homless spikes in London im Jahr 2014 (Petty 2016, S. 68). Das Anbringen von Metallstacheln war zu wenig subtil und löste eine Debatte, ausgehend von sozialen Medien, aus, die damit endete, dass die Stacheln wieder entfernt wurden (ebd.).Das Aufzeigen von hostile design, und das Befeuern einer medialen Debatte kann somit ein Weg sein, eine kritische Reflexion der Praktiken des hostile design zu ermöglichen!


Literaturverzeichnis:

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